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Samstag, 22.02.2020

Tag der Kriminalitätsopfer: Weisser Ring fordert mehr Sensibilität im Umgang mit Betroffenen

„Wer beruflich mit Kriminalitätsopfern zu tun hat, muss sich besser in deren Situation hineinversetzen können." Dies fordert der Weisse Ring am heutigen Tag der Kriminalitätsopfer. „Ob Anwälte, Richter oder Mitarbeiter von Behörden: Viele, die in ihrem Berufsleben mit Kriminalitätsopfern zu tun haben, gehen zu wenig auf deren Anliegen und Wünsche ein, da sie sich nicht hinreichend in deren Lage hineinversetzen können", kritisiert Harald Richardt, Opferhelfer und stellvertretender Leiter der Außenstelle Rotenburg (Wümme). „Das muss sich dringend ändern."

Oft sei es nicht nur das Verbrechen selbst, an dessen Folgen Opfer körperlich und psychisch jahrelang litten. Auch mangelnde Sensibilität derer, die beispielsweise im Verlauf eines Strafverfahrens mit Opfern in Kontakt kämen, sorge für zusätzliche Belastung. „Häufig fehlt der Blick dafür, was Opfer brauchen und was ihnen beim Verarbeiten der Tat hilft", stellt Richardt fest.

Der Weisse Ring fordert aus- und weiterbildende Einrichtungen der entsprechenden Berufsgruppen auf, die Perspektive von Kriminalitätsopfern fest in ihre Lehrpläne zu integrieren. „Es geht darum, das richtige Bewusstsein für die Situation von Opfern zu schaffen und so zu einem sensibleren Umgang mit ihnen beizutragen", so Richardt.

Seine über 40-jährige Expertise in Sachen Opferhilfe und Opferrechte gibt der Weisse Ring gibt bereits an Externe weiter. So bietet dessen Akademie für Berufsgruppen, die mit Opfern in Kontakt treten, spezielle Seminare und Schulungen an: zum Beispiel für Anwälte oder Polizisten zum Opferentschädigungsgesetz oder zur psychosozialen Prozessbegleitung.

Auch in der professionellen Aus- und Weiterbildung der eigenen Mitarbeiter steht die Vermittlung der Opferperspektive beim Weissen Ring an oberster Stelle. Opferhelfer durchlaufen unter anderem Seminare, in denen Inhalte zu den Themen Opferrechte in- und außerhalb von Strafverfahren vermittelt werden. Auch das Thema Psychotraumatologie nimmt einen hohen Stellenwert ein, um den richtigen Umgang mit traumatisierten Opfern zu erlernen. Ebenfalls wichtig ist das Thema Kommunikation, um in der Beratung und im direkten Kontakt mit Opfern den richtigen Ton zu treffen und die Balance zwischen Nähe und Distanz zu wahren. „Opfer brauchen Profis", sagt Richardt. „Nach diesem Prinzip arbeitet der Weisse Ring seit über 40 Jahren."

Insgesamt rund 3.200 ehrenamtliche Mitarbeiter sind in bundesweit 420 Außenstellen im Einsatz. Im Landkreis Rotenburg sind es vier Mitarbeiter. Sie leisten unter anderem Trost und Beistand, hören geduldig zu und begleiten bei Behördengängen. Darüber hinaus vermitteln sie materielle Hilfen oder nehmen ihre Lotsenfunktion wahr, um im Hilfenetzwerk des Weissen Rings weiterzuvermitteln.

Opferhilfe-Profis werden gebraucht: Aus diesem Grund sucht die Außenstelle im Landkreis Rotenburg neue Mitarbeiter, die die Arbeit vor Ort unterstützen wollen. „Wir freuen uns über jeden, der ein Ehrenamt übernehmen und sich in diese Gesellschaft einbringen will", sagt Richardt. Auch gerade junge Menschen könnten aus der Übernahme eines Ehrenamtes praktischen Nutzen und persönlichen Mehrwert ziehen. „Viele betrachten es als gute Investition in die Zukunft", stellt Richardt heraus.

Wer Interesse an einem Ehrenamt beim Weissen Ring hat, kann sich bei der Außenstellenleitung unter Telefon: 04261/83894 oder per Mail: weisser-ring.rotenburg@t-online.de oder auch unter Telefon: 04263 6756823 melden.

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