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Montag, 23.04.2018

VfL: Deutliches Votum gegen Trainingszentrum

Der VfL Sittensen möchte sich zukunftsweisend aufstellen und sein Fitnessangebot erweitern. Zudem ist der bisherige Raum viel zu klein. Die Idee: Eine Anmietung einer leerstehenden Fahrzeughalle an der Stader Straße, um dort nach einem Umbau ein Trainingszentrum einzurichten. Das Vorhaben ist indes heftig umstritten. Den Kritikern ist das wirtschaftliche Risiko viel zu hoch. Immerhin sind Gesamtkosten von 500.000 Euro veranschlagt. Außerdem fühlten sie sich nicht ausreichend informiert, was die Finanzierung angeht. 

Eine Stunde vor der Mitgliederversammlung am Donnerstagabend hatten die Mitglieder Gelegenheit, sich Grafiken und Zahlen an einer Stellwand anzusehen. Angesichts der Kürze der Zeit war kaum jemand wirklich zufrieden damit. Der Vorstand verwies gebetsmühlenartig auf die außerordentliche Mitgliederversammlung im Februar. Dort sei der Plan detailliert vorgestellt worden.

Klar und deutlich dann das Votum der 267 stimmberechtigten Anwesenden, das sie in schriftlicher Form abgaben: 174 sprachen sich gegen das Projekt aus, 72 waren dafür, 20 enthielten sich, eine Stimme war ungültig.

Das Heimathaus war rappelvoll, viele Leute mussten stehen, schnell war die Luft stickig. Trotzdem mussten sich die Anwesenden lange in Geduld üben, bis es zur Abstimmung über den bedeutsamsten Punkt des Abends kam.

Konfliktpotenzial bot der Haushaltsplan 2018, den Kassenwart Jürgen Kiel neben dem Kassenbericht vorstellte. „Unsere Kasse ist sauber", versicherte er. Allerdings enthielt der Haushalt keinen Ansatz zum geplanten Projekt. Sodann wurden Einwände laut. Zunächst blieb der Vorstand schlüssige Erklärungen schuldig, bis Dieter Höper, Vorsitzender des VfL, auf konkrete Nachfragen erklärte, dass eine „Extra-Finanzierung" für das „Zusatzprojekt" stattfinde.

„Das ist ein Gesamtprojekt des VfL, für dessen Finanzierung der Verein mit seinen Liegenschaften bürgen muss", wandte Dirk Detjen ein, der sowohl Mitglied des VfL als auch des Sittenser Samtgemeinderates ist. „Wenn ein Haushalt einer Gemeinde oder Samtgemeinde aufgestellt wird, sind darin auch Planungskosten für Bauvorhaben enthalten."

Da auch sonst dem Vorstand Gegenwind aus den Mitgliederreihen entgegen wehte, wurde die Genehmigung des Haushaltsplanes verschoben, bis die Abstimmung über das Vorhaben erfolgt war. Zuvor hatte der Vorstand noch beantragt, dass der Beschluss vorgezogen werden sollte.

Höper ging in seinem Jahresbericht ausführlich auf die Mitgliederentwicklung ein. Aktuell gehören rund 2400 Mitglieder dem Verein an. Entgegen dem kreis- und landesweit rückläufigen Trend verzeichnet der VfL eine leicht positive Steigerung. Er bemühte etliche Statistiken, sprach den demografischen Wandel an, um dann, nachdem aus den Mitgliederreihen der genervte Ruf nach einer Beschleunigung der Ausführungen laut geworden war, zur Kernaussage zu kommen: „Wir müssen was tun und den neuen Bedürfnissen der Bevölkerung entsprechen. Der Weg geht zum Individualsport. Die Mitglieder möchten nicht organisiert sein im Verein, sondern nach Möglichkeiten und Bedarf. Darauf müssen wir uns vorbereiten und rechtzeitig handeln, um zukunftsfähig zu bleiben."

Seinen Worten zufolge muss sich künftig auch der Vorstand professioneller aufstellen. „Ein so großer Verein kann nicht mehr wie bisher ehrenamtlich geführt werden. Kein Verein landesweit mit über 2000 Mitgliedern ist ohne Geschäftsführung."

Im Anschluss kamen zwei Vertreter der Sportbünde, die dem VfL bei der Projektplanung zur Seite gestanden haben, zu Wort, um dafür zu werben. Konrad Roll, Sportreferent für Vereinsentwicklung in den Landkreisen Rotenburg, Osterholz und Verden, machte sogleich eine klare Ansage: „Stillstand ist Rückschritt. Die Welt wird digitaler, die Vereine stehen vor neuen Herausforderungen. Landesweit ist ein Rückgang der Mitgliederzahlen und des Ehrenamtes zu verzeichnen. Anlass für die Vereine, darüber nachzudenken, wie die Zukunft gestaltet werden soll. Dazu gehört auch eine Führung in Form von Hauptamtlichkeit."

Rainer Kersten, zuständig für die Fitnesstrainerausbildung im Deutschen Turnerbund, hat „30 bis 40 Mal" den Aufbau solcher Trainingszentren begleitet. Für ihn steht eindeutig fest: „Solche Anlagen machen Sinn. Auf dem Weg dahin werden sicher viele Fehler gemacht und es entstehen viele Kosten. Es gibt 9000 Fitnesscenter in Deutschland, 20 Prozent werden von Sportvereinen betrieben. Und keines ist Pleite gegangen."

Höper stellte noch vier im Vorfeld eingegangene Initiativanträge eines Vereinsmitgliedes, die eine Vorstellung und Aussprache zu Themen wie Energiebilanz des anzumietenden Gebäudes, Finanzierungsplan, Marktanalyse und Begrenzung des Zusatzbeitrages zum Inhalt hatten, zur Abstimmung. Mehrheitlich lehnte die Versammlung eine Beratung darüber ab, zumal er angekündigt hatte, dass die „Aussprachezeit" begrenzt werde.

Trotz der Fürsprache der Experten erhielt das geplante Projekt bei der Abstimmung eine deutliche Ablehnung. 

Die Vorstandswahlen brachten keine Veränderungen: Dieter Höper wurde bei zehn Enthaltungen als Vorsitzender bestätigt, Sport- und Gerätewart Dieter Rosemeyer ebenso. Neuer kommissarischer Beisitzer im Kassenwesen ist Gunnar Lüdemann. Die Wahl der Kassenprüfer zog sich ebenfalls hin, bis über vier Bewerber schließlich einzeln abgestimmt wurde.

Bürgermeister Diedrich Höyns äußerte am Ende die Hoffnung, dass der VfL durch diese Sache keinen Schaden nähme. „Auch wenn es jetzt nicht geklappt hat, wart ihr schon auf dem richtigen Weg, um euch für die Zukunft aufzustellen."

„Der VfL und die Gemeinde sind anscheinend noch nicht reif für einen solchen Schritt," resümierte Höper. Wie lange er weitermachen will? „Solange, bis der VfL wieder auf dem richtigen Gleis ist." (hm)