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Donnerstag, 21.06.2018

Missionsfest: Pastor Grote berichtet aus einem Land voller Widersprüche

Fast voll besetzt war die Kartoffelscheune der Familie Schlesselmann zum Missionsfest in Freetz am vergangenen Sonntagnachmittag. Zusammen mit der Dorfgemeinschaft hatten sie ihre Kartoffelscheune ausgeräumt, Tische und Stühle aufgebaut und für eine Kaffeetafel eingedeckt. Nachdem das Fest mit feierlicher Posaunenmusik begann, durfte Bürgermeister Hermann Stemmann über 120 Gäste begrüßen. Sein Dank galt allen, die bei der Vorbereitung geholfen hatten.

Nach einer kurzen Auslegung der Tageslosung führte Pastor Andreas Hannemann mit dem Prediger des Tages ein Interview. Pastor Thomas Graf Grote erzählte, dass er nach 20 Jahren Arbeit in Sibirien nun mit seiner Frau und den drei Kindern wieder nach Deutschland zurückgekehrt sei.

In seinem Vortrag berichtete Pastor Grote aus einem Land voller Widersprüche. So gibt es im fernen Sibirien ein perfekt ausgebautes Handy-Netz auf hohem technischem Niveau, die Anmeldung eines Telefons geht schnell und reibungslos. Schmunzelnd fügte er hinzu: "In Deutschland musste ich über drei Wochen warten, bis ich endlich wieder telefonieren konnte. Das hätte ich nie gedacht. Aber oft genug begegnet dir auch bittere Armut in Sibirien."

Das war jedoch bei weitem nicht alles, was er zu erzählen wusste. Als er Bilder von einer Wanderung zeigte, war eine giftige Otter zu sehen. "Manchmal", so Grote, "umzingelt uns das System in Russland wie eine giftige Otter. Du bist ständig in Angst und weißt nie, wann sie zubeißt".

So berichtete er von den Auflagen für Gottesdienste. Jederzeit kann es eine Kontrolle geben und jederzeit müssen die Verantwortlichen die Passnummer derjenigen parat haben, die an der Veranstaltung teilnehmen. Und trotzdem trifft sich die Gemeinde, um zu beten und auf Gottes Wort zu hören.

"Eigentlich hatte ich drei Gemeinden," so Graf Grote. Als Förster arbeitete er in Sibirien und suchte Kontakt zu einer Kirchengemeinde. Dort wollte man gerne eine Pfadfinderarbeit beginnen. Thomas Graf Grote war selbst Pfadfinder und so half er gern. Zu dieser Gruppe kamen benachteiligte Jugendliche.

Als er sich bei Wanderungen zunächst wunderte, warum manche so langsam liefen, fand er erst spät die Ursache. Ihre Schuhe hatten gar keine Sohlen, dazu fehlte das Geld. Graf Grote und die Gemeinde halfen. Die Jugendlichen bekamen eine Chance. Sie lebten in der Gemeinschaft auf. Heute sind sie die tragenden Säulen der Gemeinde.

Grote berichtete auch von dem Dorf Isdok, in denen die Gemeinde alten und behinderten Menschen ein neues Zuhause gab. Und schließlich erzählte er von einer Anfrage, die er von den Bugholländern kam. Diese Siedlergemeinschaft, die nach dem zweiten Weltkrieg aus Polen vertrieben wurde, bat ihn um Mithilfe. Er sollte ihre Schriften übersetzten und in der Jugendarbeit helfen. Auch hier konnte Graf Grote die Gemeinde in vielen Dingen unterstützen.

Nun legt der dynamische Pastor mit den fröhlichen Augen die Arbeit in die Hände seiner Nachfolgerin. Grote ist seit einigen Wochen wieder in Deutschland. Seine Nachfolgerin Nastaja ist sehr begabt und in den Gemeinden anerkannt. Er wünscht und betet, dass sie sich auch vor dem politischen System behaupten kann. Ihr und der Gemeinde galt an diesem Tag auch die Fürbitte des Missionsfestes, ebenso wie die Kollekte den Gemeinden im fernen Irkutsk zu Gute kommen soll.

Es war ein fröhliches, hoffnungsvolles Missionsfest. Und das von Anfang. Denn gleich zu Beginn gab es ein Highlight. Ein Freetzer "Kinderchor" sang ein Medley aus 12 verschiedenen Kinderliedern: Textsicher und laut genug, um die wirklich nicht kleine Kartoffelscheune zu füllen - in der es allerdings auch mucksmäuschenstill war.

Am Ende - und da drehten die Kinder richtig auf - gab es sogar einen Wechselgesang zwischen Posaunenchor und Kindern. "Halleluja" und "Lobe den Herrn" klang es hin und her. Ein schönes Sinnbild für das Miteinander von Alt und Jung. Denn auch davon leben die Gemeinden: im fernen Sibirien, in Freetz und Sittensen.