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Samstag, 18.08.2018

Hans Werner Olm: "Lebensberatung für Erwachsene"

Man nennt ihn das Urgestein des Kabaretts. Mit seinen 63 Jahren blickt Hans Werner Olm, zweifacher Gewinner des Deutschen Comedy-Preises, auf eine lange Karriere zurück. Samstagabend gastierte er mit seinem Programm „Mach fertig" in Sittensen. Und stellte fest: „Bei der Fricke-Landmaschinenausstellung sind 8000 Besucher, hier sitzt die Splittergruppe." 

In der Tat waren nur um die 100 Leute gekommen. Die amüsierten sich jedoch bestens. Olm's Humor muss man mögen: sarkastisch, direkt, spitzzüngig, mitunter bitterböse und unter die Gürtellinie zielend. Überhaupt scheint er mit Vorliebe das Verhältnis zwischen Mann und Frau im Allgemeinen sowie schlüpfrige Themen im Besonderen allzu gern aufs Korn zu nehmen.

Ohne Scham beschreibt er zum Beispiel Erektionsprobleme und deren Abhilfe. Die Zuhörer wissen nun genau, was passiert, wenn Männer älter werden, sind runderneuern lassen und eine „Schwanzprothese" bekommen. Ohne Scheu demonstriert er auch „Altmännergeräusche" - pupsen, rülpsen, schlechter Husten.

Er bedient in seinem Programm typische Klischees, spricht aber auch Themen an, die er „nicht tabuisieren" möchte: das Älterwerden und das Sterben. Natürlich auf seine gewohnt „derb-kodderige" Art, aber die ist es ja, die seine Fans lieben. Und auch in Sittensen wurde herzhaft gelacht, auch dann, wenn Olm noch gar nicht bei der Pointe angelangt war.

Der Kabarettist, Schauspieler und Musiker hält die Männer heutzutage und auch die Gesellschaft an sich für „verweichlicht. „Früher sind wir als Kinder draußen rumgelaufen und auch hingefallen. Da haben wir uns von Sand und Fugenmoos ernährt. Wenn heute ein Kind stürzt, wird es direkt ins MRT und danach zur Traumatherapie gebracht."

Und auch dem neuen Rollenverhalten der Männer kann er nichts abgewinnen: „Sie hocken hinter ihren Partnerinnen im Geburtsvorbereitungskurs und hecheln wie beim Pornokaraoke."

Die Gesellschaft sei „ganz schön durch." Er wünscht sich die „analoge Gemütlichkeit" und den „Pfad der Geduld" zurück. Die BRD ist für ihn die „Blöden-Republik Deutschland." Das Land werde immer „bekloppter." Er könne beim Rumschalten durch die „Freakshows" nicht mehr unterscheiden, ob gerade „Schwiegertochter gesucht" oder die „Aktion Mensch" laufe. „Alles wird gecoacht, ob zu dick, zu unordentlich oder beziehungsunfähig. „Es werden Bauern an Frauen gecoacht, und man kann auch nicht mehr in Ruhe verwahrlosen", sinniert er.

Dass Hans Werner Olm auch singen und Gitarre spielen kann, beweist er zwischendurch mit thematisch passenden Liedern. Und zeigt sich rhetorisch gewandt im Stand-up oder heiter-satirisch, wenn er an einem Tisch sitzend von seinen Betrachtungen erzählt und mit einem Augenzwinkern „Lebensberatung für Erwachsene" gibt. (hm)

 

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