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Samstag, 17.11.2018

„time to talk“: Duo „2Flügel“ begeistert Publikum

Der Flügel erzählt, die Buchstaben singen: Auftritte des Duos „2Flügel" sind ein musikalisches Erlebnis für alle Sinne, Lichtspiele für die Seele. Christina Brudereck, Theologin und Autorin und Benjamin Seipel, Pianist, Komponist und Dozent der Musikhochschule Köln, sind „2Flügel" und gastierten jetzt zum zweiten Mal auf Einladung von „time to talk" in Sittensen.  

Diese Veranstaltungsreihe wird von Frauen aus verschiedenen, christlichen Gemeinden veranstaltet und ist ein „Abend für Frauen." Diesmal waren indes auch Männer eingeladen. Und sie kamen zahlreich, ebenso wie die weiblichen Gäste. Nicht wie sonst üblich bei Veranstaltungen dieser Art, waren in der Pausenhalle der KGS Stuhlreihen aufgebaut, sondern runde Tische, liebevoll dekoriert und von Kerzenschein erhellt.

Nicht ohne Grund: „time to talk" bedeutet Begegnung und Gespräch und das gelingt in gemütlicher Runde einfach besser. Viel Gespür fürs Detail hatte das Organisationsteam für die Gestaltung des Ambientes eingesetzt. So durften sich die Besucher zurücklehnen, wohlfühlen, entspannt guten „Lieblingsgeschichten" und gefühlvoll abgestimmter Musik lauschen.

Und weil es bei „time to talk" auch stets eine Kleinigkeit zu verzehren gibt, wurden diesmal „kinospezifische Leckereien", wie es die Moderatorinnen Britta Ruther und Janine Algie ausdrückten, aus selbstgebastelten „Bauchläden" gereicht: selbstgemachtes Popcorn, Brezel, Eis, Chips, Nüsse oder Süßes.

Christina Brudereck und Benjamin Seipel nahmen ihre Zuhörer mit auf eine Reise in ihr neues Programm „Kopfkino" - eine Kombination aus „Worten, Melodien und schönsten Momenten, die wir nicht mit den Augen sehen, sondern mit dem Herzen", sinnierte Brudereck, während Seipel das berührende Lied „In diesem Moment" des verstorbenen Jazzsängers Roger Cicero intonierte.

So wurde es schon eingangs ganz still, tiefsinnige und zum Nachdenken anregende Momente folgten noch viele. Doch auch der Humor kam nicht zu kurz. Fröhlich und mit Augenzwinkern erzählt. Etwa, wenn es um Alltagsbegebenheiten zwischen Mann und Frau geht. Oder wenn Brudereck mahnt, Frauen sollten in Würde altern und gleichzeitig wissen lässt, warum Frauen über vierzig nicht Verstecken spielen sollten: „Weil niemand sie mehr sucht."

Kinogeschichte und Zitate aus berühmten Filmen ziehen sich ebenso durchs Programm wie Gedanken zur Heimat, Deutschland, Europa, Biografien, Flucht, Versöhnung, Frieden, Freiheit, Hoffnung. „Wir lernen aus Geschichten und brauchen sie, denn sie verbinden", sagt die Theologin.

Dass sie in ihrem christlichen Glauben fest verwurzelt ist, schwingt stets mit und kommt beim Publikum genauso an. Politische Spitzen zum aktuellen Weltgeschehen weiß sie ebenso gekonnt einzusetzen wie sie Schicksale von Menschen, die die Welt bewegten anspricht.

Etwa das der Geschwister Sophie und Hans Scholl, die wegen als Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime hingerichtet wurden. Dazu spielt Seipel das deutsche Volkslied „Die Gedanken sind frei." Überhaupt greift der Pianist stets die Texte seiner Partnerin auf und bindet sie wie selbstverständlich in seine Musik ein.

Dabei überzeugt er nicht nur mit wohlklingendem Gesang und intensivem Tastenspiel, sondern auch mit Improvisationen. Einmal bläst er gleichzeitig die Melodica, zum anderen ruft er besondere Klänge durch das Zupfen seiner Klaviersaiten hervor.

Bruderecks Appell nach Empathie und Begegnung mit echten Menschen, um Überfrachtung und dem Gefühl, zu kurz zu kommen, zu entgehen, begleitet er mit seinem eigenen Lied: „Mach aus Chaos einen Kosmos." „Den Ängsten einen Sinn", schickt Brudereck hinterher. 

Auch von ihren Lieblingsfilmen erzählt die Autorin mehrerer Bücher. So ist Wim Wenders ihr Lieblingsregisseur. Aus dessen Film „The Million Dollar Hotel" stammt der bewegende Song „Where the streets have no name" singt. Den brachte denn auch Benjamin Seipel sowohl instrumental als auch singend gefühlvoll zu Gehör. 

Überhaupt: Ob Hans Albers, Billy Joel, ein 80er-Jahre-Medley, Filmmusik, Klassik oder die außergewöhnliche Interpretation des Chorals „Es kommt ein Schiff geladen": Der Künstler bewies, dass er in jedem Genre stilsicher unterwegs ist.

Langanhaltender Applaus war der Lohn für das Duo „2Flügel", das auch nach einer dreimonatigen Konzertpause nichts von seiner Magie verloren hat. Die „Lichtspiele für die Seele" haben die Gäste erreicht.

2019 steht das zehnjährige Bühnenjubiläum an. Das wird am 27. März im Kino Lichtburg in Essen, wo die beiden Künstler leben, gebührend gefeiert. (hm)

        

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