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Sonntag, 21.04.2019

Plattdeutsche Unterhaltung vom Feinsten

„Plattdeutsch ist international." Davon ist Yared Dibaba, deutscher Autor, Moderator, Schauspieler und Entertainer mit äthiopischen Wurzeln und bekennender „Plattschnacker" überzeugt. Auf Einladung des Heimatvereins der Börde Sittensen gastierte er in der Pausenhalle der KGS. Herzlich begrüßt wurde er vom frisch gewählten Heimatvereinsvorsitzenden, Heinz-Hermann Evers, selbstredend „up platt", Sprache der gesamten Veranstaltung. Und auch wer nicht 100 Prozent plattdüütsch schnacken konnte, kam auf seine Kosten.

Lässig, locker, mit viel Charme und Natürlichkeit hatte der Wahl-Hamburger die knapp 350 Besucher in der ausverkauften Aula schnell für sich eingenommen. Als Evers ihm bei der Begrüßung zum just begangenen, 50. Geburtstag gratulierte, stimmte das Publikum spontan ein Ständchen an. „Ton Geburtstag veel Glück", erklang es lauthals. Da der Heimatverein ebenso sein 50. Bestehen in diesem Jahr feiert, gab's gleich zwei Jubiläen zu benennen.

Bevor Dibaba mit seinem Programm begann, verriet er noch, dass er bereits vor 35 Jahren öfter in Sittensen gewesen sei: Als einer von mehreren Models bei Modenschauen im Sittenser Heimathaus, die das Sittenser Fachgeschäft Moden Holst über eine Agentur gebucht hatte. Die damaligen Inhaber, Günter und Marlies Holst, waren anwesend und wurden von Dibaba freudig begrüßt.

„Wie kann een Swatten so good platt snacken?", werde er oft gefragt. Die plattdeutsche Sprache sei ähnlich der Oromo-Sprache aus seinem Geburtsland Äthiopien. „Is hier een Deern, de Gabi het?", wollte er wissen und schickte die Erkärung hinterher, dass Gabi in seiner Muttersprache „Wolldecke" bedeute.

Dibaba ist gegen das zunehmende „Verdenglischen." „Englische Wörter sind ein Abfallprodukt der plattdeutschen Sprache", meinte er und machte das als Beispiel an dem Wort „Buddel" aus, das im Englischen bottle heißt. Ein Handy sei ein „Ackerschnacker", ein Tablet ein Ackerwischer". Statt ständig „okay" zu benutzen, könne man auch einfach „lööpt" sagen.

„Plattdüütsch is de beste Sprook up de Welt', stellte Dibaba ein ums andere Mal heraus. Mit Platt könne man alles geradeheraus sagen, zum Beispiel „Schietweer." Aber auf hochdeutsch einfach so „Scheißwetter", zu sagen, gehe nicht. Gekonnt bezog er das Publikum mit ein, und hatte dabei wie immer den Schelm im Blick. Und bewies seine Professionalität, indem er auf Zwischenrufe und Hinweise mit Witz, Charme und Schlagfertigkeit reagierte.

Als ein Gast ein plattdeutsches Gedicht in Form eines Wortspiels zum Besten gab, zeigte sich der Entertainer so begeistert darüber, dass er diesen, ebenso wie den Ort Sittensen, "wo die Leute so plietsch sind", immer wieder mit in das Programm einband. Als er davon erzählte, dass er eine Reihe von Knöllchen wegen Falschparkens bekommen habe, fragte er, ob es in Sittensen ein Parkhaus gäbe. Die Antwort war schallendes Gelächter.

Bücher hatte der Autor mehrerer plattdeutscher Lektüren, mit denen er auch auf Lesetouren unterwegs ist, ebenfalls mit dabei. „Ick will jo noch vöörlesen", fiel ihm immer wieder zwischendurch ein. Da ihm aber ständig neue Einfälle zu seinen mannigfaltigen Beobachtungen und Begegnungen im Alltag in den Sinn kamen, beschränkte sich das Vorlesen auf kleinere Episoden.

Machte aber nix, den Besuchern gefielen seine Geschichten, die vor allem im zweiten Teil, nachdem alle „Fofftein" gemacht und „Tante Meyer" besucht hatten, nicht nur sehr lustig, sondern mitunter auch ein wenig schlüpfrig daherkamen. Dibaba hatte auch solche Gäste im Blick, die mit verschränkten Armen und ohne eine Miene zu verziehen, dasaßen. „Dat is norddeutsche Ekstase, de freit sik na innen", konstatierte er.

Auch auf besserwissende „Klogschieter" oder „Schlauschnacker" gingt Dibaba ein, der eine kaufmännische Ausbildung im Kaffeehandel absolviert und auch eine Schauspielschule besucht hat. Und demonstrierte gekonnt, dass er gleichermaßen Hip-Hop-Beat wie Rap beherrscht.

Yared Dibaba hat an diesem Abend sicher weitere Fans dazu gewonnen. Das war plattdeutsche Unterhaltung vom Feinsten. Mit einem letzten Witz und dem Hamburger „Hummel, Hummel" verabschiedete sich der Künstler. „Das hat sich gelohnt, hierher zu kommen", war beim Verlassen des Saales nicht nur einmal zu hören.

Im Foyer gab Dibaba im Anschluss auf Wunsch Autogramme. Doch viel lieber wollten die Leute ein Selfie mit ihm. Und auch dafür stand er geduldig und immer nett lächelnd bereit. (hm)

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