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Freitag, 23.08.2019

„Plattdeutsch ist eine sehr freundliche Sprache"

Insa Wölbern und Lukas Diaz, 12 und 13 Jahre alt, sind leidenschaftliche „Plattsnacker." Mit der plattdeutschen Sprache sind sie im Elternhaus groß geworden. Beide kommen aus Wohnste und sind schon seit jeher befreundet. „Plattdeutsch ist eine sehr freundliche Sprache. Man duzt sich, ein Sie gibt es kaum. So geht man viel lockerer miteinander um. Plattdeutsch verbindet, vor allem in einem Dorf. Und es geht viel leichter, Kontakte zu knüpfen", wissen die Zwei.

Sie kommen nahezu ins Schwärmen, wenn es darum geht, ihre Begeisterung näherzubringen. Kein Problem ist es für die beiden, sich von „Platt" schnell auf Hochdeutsch umzustellen. „Man legt einfach einen Schalter um und ordnet die Sprache den betreffenden Personen zu", sagt Insa, die mit ihrer Mutter nur hochdeutsch spricht, mit ihren Geschwistern, dem Vater und dem Großvater, der mit ihm Haus lebt, hingegen ausschließlich plattdeutsch.

Auch Lukas, dessen Vater in Chile lebt, spricht mit seiner Mutter nur „platt." Er ist in Chile geboren und kam im Alter von zwei Jahren mit seiner Mutter nach Wohnste. Die Familie mütterlicherseits wohnt in Ippensen, auch mit ihr unterhält sich der 13-jährige Schüler der Eichenschule in Scheeßel auf Plattdeutsch. „Im Sprachunterricht hat man es generell einfacher, wenn man plattdeutsch spricht", findet Lukas.

Teilnahme am Landesfinale für „Schölers leest Platt"

Das sieht auch Insa so: „Es gibt im Englischen viele Wörter, die im Plattdeutschen ähnlich sind, zum Beispiel clock, was Uhr heißt." Bei so viel Begeisterung ob der niederdeutschen Sprache verwundert es nicht, dass beide nicht nur an plattdeutschen Schullesewettbewerben teilgenommen, sondern auch erfolgreiche Platzierungen erreicht haben.

Vom Klassenentscheid über Bezirks- und Dezernatsentscheid schafften sie es bis zum Landesfinale für „Schölers leest Platt". Im kleinen Sendesaal des NDR-Landesfunkhauses in Hannover maßen sich die besten Plattleser aus Niedersachsens Schulen, um die Landessieger zu ermitteln. „Der Raum war fast wie ein Kinosaal, nur ohne Leinwand", erinnern sich die Zwei. Und es war auch just der Tag, an dem es sehr heiß war. Die sommerlichen Temperaturen sorgten neben der Aufregung noch für den einen und anderen Schweißtropfen mehr.

In fünf Altersgruppen wählte die Jury die drei jeweils besten Leser aus. Lukas holte sich den Sieg in der Gruppe der Siebt- und Achtklässler, Insa, Schülerin der KGS Sittensen, erreichte den dritten Platz bei den Fünft- und Sechstklässlern. Die Frage, ob sie sich für das Fi-nale besonders vorbereitet haben, verneinen beide.

„Natürlich haben wir geübt, aber nicht so viel, dass wir den Text fast auswendig konnten. Denn das gibt Punktabzug. Man soll ja vorlesen und nicht vortragen", weiß Insa zu erklären. So gibt es bei der Bewertung feine Unterschiede, sei es bei kleinen Pausen an der richtigen Stelle und vor allem im Klang der Sprache.

Während Lukas für den Lesewettbewerb eine Passage aus der plattdeutschen Übersetzung des ersten Harry Potter-Bandes ausgewählt hat, fiel Insas Wahl auf „De pädagogische Opgoov" von Bolko Bullerdiek. Das Motto: „Tro di wat – snack platt" prangt auf T-Shirts, das viele der jungen „Plattsnacker" mit Stolz tragen. Insa und Lukas können das nur unterstreichen: „Es sollten sich viel mehr Kinder, aber auch Erwachsene trauen, plattdeutsch zu reden. Es wäre schade, wenn man die Sprache nicht erhalten würde." (hm)

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