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Mittwoch, 23.10.2019

Kubanischer Gospelchor bezaubert Publikum

Die Entscheidung, das Konzert mit dem „Coro Gospel de Cuba" nicht wie geplant in der Kapelle am Friedhof, sondern unter freiem Himmel im Pfarrgarten bei der Kirche durchzuführen, fiel kurzfristig, war aber goldrichtig. Denn: Als die Hitze des Tages zunehmend einem lauen Sommerabend wich, Rhythmus und Lebensfreude durch das idyllische Gartenareal zogen, konnte das Ambiente schöner nicht sein.

Der „Coro Gospel de Cuba" hat sich erst Anfang des Jahres gegründet. Die jungen Chor- und Bandmitglieder gehören alle kubanischen Kirchen an. Die Formation hatte ihren ersten weltweiten Auftritt beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund, danach folgte ein Auftritt in Wittenberg, von Sittensen ging es weiter nach Harsefeld.

Untergebracht war die Gruppe in Gastfamilien im Bördeort. Mit Unterstützung der amerikanischen Gospelsängerin Deborah Woodson ist es gelungen, kubanische Rhythmen und amerikanische Gospelmusik zu verbinden. Die jungen, kubanischen Musikerinnen und Musiker brachten nicht nur ihr Lebensgefühl zum Ausdruck, sondern auch ihre „unbändige Jesus-Liebe." So formulierte es Pastor Eckhard Krause, der durch den Abend führte. Er ist Initiator des Freundeskreises Missionarische Dienste, der das Konzert organisiert hat.

Die Lieder, zum großen Teil von Deborah Woodson geschrieben, handeln von Liebe, Gefangenschaft, Befreiung, Frieden und sind geprägt von tiefem, christlichem Glauben – der guten Botschaft des Gospels. Beim Blick auf den wolkenlosen Himmel konnte man fast meinen, dass es auch bei den herrlichen, äußeren Bedingungen Beistand von oben gab.

Zwischendurch hörten die rund 240 Konzertbesucher sowohl launige als auch tiefgründige Aussagen zu den jeweiligen Liedern. Um den Besuchern das kubanische Leben näherzubringen, wurden auch Interviews geführt. „Der Geist der Liebe bewegt Kuba", sagte Krause. Auf die Frage, was Kuba ausmache, nannte die junge Projektleiterin des Chors die Kultur, das Land, den Tanz, die Gastfreundlichkeit und die Freiheit. Bezugnehmend darauf hatte Woodson den Titel: „Forever free" geschrieben.

Den Aufruf nach Gleichheit und Menschlichkeit hat sie in dem Lied „Earth people" verarbeitet, denn, so gestand die Künstlerin im Gespräch, hat auch selbst Rassismus erfahren müssen. „Wenn wir uns verletzen, fließt bei jedem Menschen rotes Blut. Wir sind alle Geschwister", machte sie deutlich.

Die „geballte Mischung von Energie und Liebe", wie Krause es bezeichnete, nahm das Publikum gefangen. Schnell wurde mitgeklatscht, mitgewippt, mitgesungen, etwa bei "People get ready", „Kumbaya" oder „Oh Happy Day." Auch wenn aus dem Gospel Lebenslust und pure Freude spricht, ist er doch aus dem ganz ernsten Thema der Sklaverei und Unterdrückung hervorgegangen.

So fehlten bei aller Unterhaltung auch emotionale Stücke wie „Amen" oder „Halleluja" nicht. Der junge, kubanische Sänger hauchte seiner Interpretation des Leonard-Cohen-Klassikers so viel Gefühl ein, dass Sittensens Pastor Andreas Hannemann bekannte, fortan nur noch diese Version hören zu wollen.

Dieser frische, inspirierende Auftritt des ersten, nationalen Gospelchors auf Kuba war ein Erlebnis, das noch lange nachklingen kann. (hm)

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