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Dienstag, 26.03.2019

"Trinkwasser von morgen und übermorgen schützen"

„Heute das Trinkwasser von morgen und übermorgen schützen": Unter dieses Motto hatte Dr. Stefan Kohl, Geschäftsführer des Wasserverbandes Bremervörde, seinen sehr engagierten und anschaulichen Vortrag beim letzten Stammtisch der Grünen in Sittensen über die Nitratbelastungen im hiesigen Grundwasser gestellt.

Vor über 30 Zuhörern beschrieb Dr. Kohl zunächst, aus welchem Gebiet und aus welchen Tiefen das Trinkwasser gefördert wird und wie in diesem Gebiet die geologischen Strukturen sind. Das hiesige Trinkwasser entstammt eiszeitlichen Rinnenstrukturen, wird aus Tiefen zwischen 50 und bis zu 130 m gefördert und ist zum Teil deutlich über 100 Jahre alt. Ein Glücksfall sei, dass dieses Grundwasser durch geologische Deckstrukturen wie Geschiebelehm geschützt sei. Aus diesen Gründen habe dieses Grund- und Trinkwasser auch noch eine hervorragende Qualität.

Anschließend lenkte er aber seinen Blick auf die Probleme und Risiken. Eine Gefährdung bestehe darin, dass die schützende Deckschicht durch menschliche Eingriffe gestört werde. Das könne durch Tiefbohrungen geschehen, wie bei Gründungsmaßnahmen beim Bau von Windkraftanlagen im näheren Bereich der Förderanlagen in Groß Meckelsen, aber auch durch bereits durchgeführte oder zukünftig mögliche Bohrungen zur Gasförderung.

Eine weitere Gefährdung seien die hohen Stickstoffeinträge aus der Gülle der Viehhaltung und den Gärresten der Biogasanlagen, die im Boden zu Nitrat umgewandelt werden. „Aus diesem Grund weisen Grundwassermessungen aus Tiefen zwischen fünf und 20 Metern zum Teil Nitratwerte von bis zu 100 mg/l auf. Es stellt sich die Frage, ob die Ausbringung von Gülle noch der Düngung dient oder ob wir bereits von deren Entsorgung sprechen", so der Geschäftsführer des Wasserverbandes.

Auch aus diesem Grund sei 2017 eine neue Düngeverordnung in Kraft getreten, die aber schon 2020 auf Druck der EU erneut verschärft werden müsse. In diesem Zusammenhang verwies er auf erfolgversprechende Vereinbarungen zwischen Landwirten aus den Wasserschutzgebieten wie dem in Groß Meckelsen und dem Wasserverband Bremervörde.

Für eine finanzielle Entschädigung verpflichteten sich Landwirte freiwillig dazu, ihre Mengen an ausgebrachter Gülle, aber auch von anderen wassergefährdenden Einträgen (Pestiziden) zu reduzieren und weitere Maßnahmen für einen vorsorgenden Grundwasserschutz durchzuführen.

In einer abschließenden Gesprächsrunde wurde lebhaft die Frage diskutiert, ob und wie durch politisches und persönliches Verhalten das Trinkwasser von morgen geschützt werden kann. Politisch sei zu überlegen, ob eine natur- und umweltschonendere Art der Landwirtschaft mehr gefördert und im Gegenzug die reine Flächenprämie gekürzt werde.

Im persönlichen Bereich müsse den Verbrauchern klar sein: „Billiges Fleisch gibt es nur in der Massentierhaltung. Und die Massentierhaltung produziert viel Gülle und damit hohe Nitratgehalte in den Gewässern."

Foto: Dr. Stefan Kohl (Dritter von links) mit Iris Stabenau, Uwe Hellmers, Sabine Holsten, Hans-Jürgen Schnellrieder und Detlef Behrens (von links) von den Grünen.

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