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Mittwoch, 18.09.2019

"medlz" begeistern Publikum

Das war ein Hörgenuss: Die A-cappella-Gruppe "medlz" aus Dresden hat Samstagabend mit Charme, Witz und vor allem bemerkenswertem Stimmvolumen bei ihrem Auftritt in der Sittenser St. Dionysius-Kirche das Publikum nicht nur beeindruckt, sondern von Anfang an mitgenommen. Und um es vorwegzunehmen: Die Besucher im vollbesetzten Gotteshaus waren begeistert, klatschten euphorisch und stampften mit den Füßen.

Sabine, Nelly, Joyce und Silvana gastierten auf Einladung der St. Dionysius-Stiftung im Bördeort. „Wow. Wir stehen in einer Kirche und singen keine Weihnachtslieder", zeigten sie sich ob der imposanten Umgebung beeindruckt.  

Stiftungsvorsitzender Peter Klindworth betonte eingangs, dass es ohne die finanzielle Unterstützung von der Zevener Volksbank und dem Sittenser Unternehmen Holz-Haase nicht möglich sei, gute Programme für diese Konzertreihe zugunsten der Stiftung zusammenstellen zu können.

"Heimspiel - medlz singen deutsch". Der Name ist Programm, denn das Quartett widmet sich darin der deutschen Sprache. „Mit ihr kann man so viel sagen und ausdrücken. Sprache ist ein Stück Kulturgut, das man weitertragen sollte", wandte sich Sabine eingangs an die Zuhörer.

Insofern waren englische Worte verpönt. Gar nicht so einfach, wie sich herausstellte. Denn die "Verdenglischung" ist im Alltag selbstverständlich geworden. Band, cool, Meeting, Medley, Backstage, coffee to go sind gebräuchliche Begrifflichkeiten. Sobald ein entsprechendes Wort den Sängerinnen über die Lippen kam, war das Publikum gefordert, mit „möööb" lautstark zu intervenieren.

Stimmgewaltig ging es mit Friedrich Schillers „Ode an die Freude" los, die Beethoven in seiner 9. Sinfonie vertont hat. Die Eigenkomposition „Mein Fluss" widmet Nelly der Elbe und ist ebenso berührend wie der Liebesbrief von Thomas D von den Fantastischen Vier.

Nachdenklich kommt Cluesos „Chicago" daher, tief unter die Haut geht das Lied „So gerne" von der Hamburgerin Regy Clasen, das von Liebe und Sehnsucht erzählt. Doch die "medlz" können auch anders und wissen mit einer enormen Bandbreite zu überzeugen. Mit Rammstein machen sie knallhart auf „Metal", Rap- und Reggaeklänge ziehen bei „Deine Augen machen bling bling" von Seed durch die Kirche.

Dass auf vier Akkorden 23 Lieder in Kurzform gesungen werden können, stellt die mit vielen Preisen prämierte Gruppe ebenso eindrucksvoll unter Beweis. Die Stimmen der attraktiven, sexy in schwarz gekleideten Sängerinnen tragen einander und sind nahezu perfekt aufeinander abgestimmt.

Ihre Interpretationen sind so gelungen, dass Instrumente nicht vermisst werden. Ein wenig Unterstützung durch Spezialeffekte gibt's bei der Verstärkung des Basses, wie Joyce verrät. Und auch Cajon und Drumpad - „Kistentrommel" und Schlagwerkzeug - begleiten den Gesang. Ebenso kommen Rassel, Schütteleier und Tamburin zum Einsatz.

Nicht nur akustisch, auch visuell war der Auftritt ein Erlebnis. Ein Lob gebührt der Lichttechnik, die den Altarraum erstrahlen ließ und die Künstlerinnen gekonnt in Szene setzte.

Lachen muss das Publikum, als Texte und Musik vertauscht werden, etwa von den Ärzten und Udo Lindenberg, Udo Jürgens und den Prinzen, Helene Fischer und Roland Kaiser. Das Publikum erklatscht sich Zugabe um Zugabe. Schlager kommt zu Gehör. Natürlich mit Helene Fischer's Kulthit „Atemlos." Aber auf sächsisch. Das Publikum ist fast aus dem Häuschen vor Begeisterung. Sabine und Nelly liefern sich sodann ein Schlagerduell in ihrer sächsischen Heimatsprache.

Die zweite Zugabe ist ein von Sabine geschriebenes Lied für das Musical „Alfons Zitterbacke", eine populäre Kinderbuchfigur der DDR. Darin singt die Mutter ihrem Sohn am Bett sitzend ein Lied vor, das von dem Ende der Kindheit handelt. Den Kern: „Liebe das Kind in dir, nimm deine Seifenblasenträume mit in die erwachsene Welt" legen die „medlz" auch den Besuchern ans Herz.

Ebenso gefühlvoll gestaltet sich der Abschluss. Mit „Der Mond ist aufgegangen" von Matthias Claudius verabschieden sich die Dresdenerinnen und ziehen singend aus dem Kirchenschiff aus - nochmals unter tosendem Applaus. (hm)

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