JavaScript ist in Ihrem Browser deaktiviert! Bitte aktivieren Sie JavaScript für Treffpunkt-Sittensen, da die Seite ansonsten nicht korrekt funktioniert.
Sonntag, 15.12.2019

Kosten von 6,5 oder 7,4 Millionen Euro

Lange hat's gedauert, doch nun sind die Kosten für den Umbau des ehemaligen Volksbankgebäudes zu einem Rathaus offiziell bekanntgegeben worden. Architekt Hubertus von Bothmer, dessen Büro den Zuschlag für die Planungen bekommen hat, präsentierte dem Samtgemeinderat Donnerstagabend die Kostenermittlung. Auch etliche interessierte Zuhörer waren gekommen.

Demnach würden ein Umbau und eine Sanierung mit 6,5 Millionen Euro brutto zu Buche schlagen. Darin sind die bisher entstandenen Planungskosten von 500.000 Euro nicht enthalten. Alternativ wurde ebenso eine Kostenschätzung für einen Neubau in gleicher Größe und Ausstattung vorgenommen. Kostenpunkt: 7,4 Millionen Euro.

Wer jetzt eine Aussprache oder Reaktionen der Ratsmitglieder erwartet hatte, wurde enttäuscht. „Wir haben im Vorfeld beschlossen, dass diese Präsentation rein der Information dient. Die Zahlen gehen jetzt zur weiteren Beratung in die Fraktionen", ließ CDU-Fraktionsvorsitzender Dirk Detjen wissen. Dem pflichtete Herbert Osterloh, Sprecher der Mehrheitsgruppe aus SPD, WFB und Grünen, bei, wobei er ausdrücklich noch die „sehr konstruktive" Zusammenarbeit mit der eigens eingerichteten Arbeitsgruppe - Vertretern aus Politik, Verwaltung, Personalrat und Architekturbüro – hervorhob.

Lobende Worte hatten zuvor ebenfalls Samtgemeindebürgermeister Jörn Keller und der Architekt gefunden. „Das war eine sehr gute Runde, auch über die Parteizugehörigkeit hinweg. Und der Architekt hat wirklich gute Arbeit geliefert", so Keller eingangs der Präsentation. Von Bothmer stellte den Planentwurf in seiner gewohnt sachlich-kompetenten Art kurz, prägnant und nachvollziehbar vor.

"Eine Sünde, das Gebäude abzureißen"

Wenn sich auch sonst niemand zu einer Meinungsbekundung hinreißen ließ, gab von Bothmer am Ende eine deutliche Einschätzung ab: „Es wäre eine Sünde und Schande, dieses schöne Gebäude abzureißen und zu schreddern. Wir haben es vom Keller bis zum Dach untersucht. Die Substanz ist noch gut. Aus ökologischer Sicht wäre ein Abriss nicht vertretbar. Das kann ich mit gutem Gewissen empfehlen."

Nach seinen Worten kann ein Neubau nur unwesentlich günstiger betrieben werden. Laut der Wirtschaftlichkeitsberechnung belaufen sich die jährlichen Betriebskosten für Umbau und Sanierung auf 31.186 Euro, bei einem Neubau auf 29.054 Euro. Die Gesamtsummen beinhalten sämtliche Kostengruppen, nur den Grundstückskauf nicht. Von Bothmer betonte, dass aus Gründen der Haushaltsdisziplin gegenüber dem ursprünglichen Vorentwurf 800.000 Euro eingespart wurden: „Das tat zum Teil weh, vor allem mir als Architekt, aber gemeinsam haben wir das im Arbeitskreis geschafft. Das gelingt nicht immer."

Im Falle eines Neubaus entstehen Kosten von 320.000 Euro für Abbruch und Verfüllung, die in der Gesamtsumme ebenso enthalten sind wie zwei Prozent für „Unvorhergesehenes." Die 7,4 Millionen Euro entsprechen einem Quadratmeterpreis pro Brutto-Grundfläche von 2600 Euro. In den Umbau- und Sanierungskosten von 6,56 Millionen sind fünf Prozent für „Unvorhergesehenes" berücksichtigt, der Quadratmeterpreis pro Brutto-Grundfläche beträgt 2230 Euro.

Insgesamt ist im Volksbankgebäude eine Brutto-Grundfläche von 2940 Quadratmetern beplant worden. Für den möglichen Aufbau einer Photovoltaikanlage sind 85.000 Euro in der Kostenberechnung aufgeführt, die aber nicht in den Gesamtkosten enthalten sind und daher eigenfinanziert werden müssten. In einem Gutachten zu Beginn der allerersten Planungen vor über zwei Jahren war für einen Rathausneubau eine Nutzfläche von rund 1.550 Quadratmetern zugrunde gelegt worden.

Planung für Neubau muss neu ausgeschrieben werden

Von Bothmer wies darauf hin, dass ein Neubau am Standort der Volksbank acht bis zwölf Monate länger dauern würde als die geplante Sanierung. Zum einen müssen die bestehenden Gebäude abgerissen werden, zum anderen muss die Planung neu ausgeschrieben werden. Sein Architekturbüro hat nur den Auftrag, als Generalunternehmer einen Umbau zu planen. An einem neuen Ausschreibungsverfahren würde man sich beteiligen, ließ von Bothmer wissen.

Nach seinen Plänen wird die Schalterhalle abgerissen und ein neuer Eingang geschaffen. Der Altbau parallel zur Bahnhofstraße sowie der gläserne Kubus im hinteren Bereich, der zurück- und komplett neu aufgebaut werden soll, bleiben in ihrer Eigenständigkeit erhalten und werden durch eine gläserne „Fuge" verbunden. Überhaupt zeigt der Entwurf viele Glaselemente auf, um für guten Lichteinfall zu sorgen und so auch Energie zu sparen. Das Credo lautet: hell, luftig, einladend, dem zeitgemäßen, ökologischen Anspruch entsprechend.

Das Treppenhaus wird geöffnet und verbindet alle drei Geschosse. Neben den Büroräumen sind zwei Besprechungsräume vorgesehen, ein Ratssaal mit einer trennbaren Wand, auch eine äußere Fluchttreppe wird geschaffen. „Wir mussten wegen der Kosten Federn lassen, aber wir haben dennoch eine sehr vernünftige Lösung gefunden", so von Bothmer. „Gute Arbeit, die aber auch entsprechend entlohnt wird", befand Johann Burfeind.

Beschluss am 19. Dezember

Am 19. Dezember soll der Samtgemeinderat zum Beschluss kommen. Bis dahin gibt es in den Fraktionen viel zu beraten, vor allem im Hinblick auf eine Entscheidung, die von einer breiten Mehrheit sowohl unter den handelnden als auch betroffenen Personen mitgetragen werden kann – auch vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltslage. (hm)

Foto: So könnte nach den Planungen des Architekturbüros von Bothmer die Volksbank nach dem Umbau zum Rathaus aussehen.

powered by webEdition CMS