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Mittwoch, 29.01.2020

Dionysius-Medaille für Hancker und Hastedt

Eine Plattform, um miteinander ins Gespräch zu kommen – auch jenseits der Parteizugehörigkeit – stellt seit jeher der Neujahrsempfang der Gemeinde Sittensen dar. Mittwochabend durften Bürgermeister Diedrich Höyns und Ehefrau Bärbel im Ausstellungsraum der Wassermühle zahlreiche Hände zur Begrüßung schütteln. Neben den Repräsentanten örtlicher Vereine, Institutionen, dem lokalen Wirtschaftsleben, den Schulen, Kirchen, Ärzten, der Feuerwehr, Polizei, des Bauhofes oder der Patenkompanie der Fallschirmjägerkaserne Seedorf, gehörten natürlich auch die Vertreter aus Politik und Verwaltung sowie die Bürgermeister der Mitgliedsgemeinden zu den Gästen. Samtgemeindebürgermeister Jörn Keller war ebenso der Einladung gefolgt wie sein Vorgänger Stefan Tiemann.

Erika Jaschinski, Kerstin Thölke und Hans-Joachim Ilmers kümmerten sich in bewährter Weise um die Getränkeversorgung. „Alle Anwesenden, ob beruflich oder ehrenamtlich, sind mit ihren Institutionen ein Teil der Entwicklung in und um Sittensen. Nur miteinander ist es möglich, an der gemeinsamen Zukunft unserer Gemeinden zu bauen", gab Höyns zu verstehen. „Ich glaube nicht, dass das neue Jahr uns weniger atemlos macht als das alte. Die Welt ist nicht sicherer und friedvoller geworden. Wenn große Brücken zur Versöhnung nicht gebaut werden, müssen wir das im Kleinen, mit vielen kleinen Brücken machen."  

Positives kommt zu kurz

Auch auf kontrovers diskutierte Themen ging er ein. „In der jetzigen Situation, in der die Samtgemeinde mit der Infrastruktur für Schulen und Kindergärten in die Vorleistung geht, ist es besonders schwer, das Gleichgewicht der Interessen zwischen Gemeinden und Samtgemeinde zu finden. Es werden nach außen schnell die negativen Dinge getragen, das Positive kommt viel zu kurz. Der Ort wird jünger, die Samtgemeinde ist als Wohn- und Lebensort attraktiv geworden. Ist sie zukunftsfähig, werden es auch die Dörfer sein, denn sie bilden die Grundlage", stellte Höyns heraus.

Eine Investition in die Zukunft habe immer auch mit Vorleistungen finanzieller Art zu tun. Dafür müsse die Samtgemeinde Mittel bereitstellen. „Machen wir nichts, was Sittensen und die Orte der Börde interessant macht, bekommen wir keinen Zuzug und können unsere jungen Leute nicht halten. Der Samtgemeindebürgermeister hat recht, wenn er mehr Geld fordert für die Vorhaben, die der Infrastruktur und damit allen Gemeinden zugutekommen."

Kritik an Finanzierung durch Bund und Land

Deutliche Kritik übte er an der Finanzierung durch Bund und Land was Kindergärten und Schulen angeht: „Es werden Standards gesetzt und jede Menge Bedingungen daran geknüpft. Vor den Wahlen werden beitragsfreie Plätze zugesagt und dann auch beschlossen. Wir als Kommunen sollen es umsetzen. Doch wer zahlt das Geschenk? Wir fühlen uns von der großen Politik, gelinde gesagt, allein gelassen. Gäbe es Kostendeckung für die Geschenke, die Land und Bund verteilen mit der richtigen und fairen Kostenbeteiligung, hätten wir nicht das Problem im Ergebnishaushalt der Samtgemeinde. Eigentlich müssen wir unseren Abgeordneten jeden Tag auf den Geist gehen, damit sie endlich zu ihrer finanziellen Verantwortung stehen."

Ton in Leserbriefen

Ebenso sprach er die Leserbriefe zur Ablehnung des Förderzuschusses für die Landjugend durch den Samtgemeinderat an und kritisierte den Ton darin. Der Landjugend zollte er Lob für ihren Einsatz bei der Organisation des Sittenser Erntefestes. Das Einsammeln der Ein-Euro-Spende während des Umzuges werde jedoch kontrovers diskutiert. „Bei aller Unterschiedlichkeit der Auffassung gehört es sich nicht, mit gewissen Formulierungen auf Andersdenkende einzuschlagen. Das machte es nicht gerade einfach, sich unbefangen neu zu begegnen und nach Lösungen zu suchen. Da wünsche ich mir mehr Fingerspitzengefühl. Mit persönlichem Einsatz können wir den jungen Leuten zeigen, dass es einem etwas wert ist, mit sammeln zu gehen. Ich schließe gerade die Dorfgemeinschaften und die Räte besonders mit ein. Diese Diskussion zeigt unser Problem im Ehrenamt auf, denn wenn wir nicht aufhören, unsere eigene Verantwortung an Dritte abzugeben und alle Problemlösungen von der Gemeinschaft erwarten, kann es nicht funktionieren. Vor allem die Mittel werden wir nicht aufbringen können."

Wohn- und Gewerbeentwicklung

Bei seinem Ausblick auf künftige Projekte in der Gemeinde Sittensen nannte er die wohnbauliche Entwicklung gegenüber der Stuhmer Straße. Im Laufe des Jahres soll der B-Plan fertiggestellt sein, so dass mit Erschließung und Verkauf begonnen werden kann. Für das geplante Gewerbegebiet an der Lindenstraße ist die Entwicklung des B-Planes beauftragt. Dort soll Wohnbebauung an der Eichenstraße und auf der Seite der Lindenstraße ein Gewerbegebiet entstehen. Der nächste Sittenser Kindergarten  wird an der Straße Zum Fahnenholz gebaut. Dort ist auch ein weiteres Wohnbaugebiet geplant. Die Flächen sollen 2021 zur Verfügung stehen.

Für das Jugendzentrum ist nach seinen Worten die Stelle eines Sozialarbeiters ausgeschrieben. Gesucht wird qualifiziertes Personal, damit die Einrichtung wieder in Betrieb gehen kann. Die Geschichte des Rathauses in der Volksbank bezeichnete er als kompliziert. Nachdem die Zahlen bekannt seien, stehe fest, dass der Betrag zu hoch sei. Im März solle endgültig beschlossen werden, ob es ein Neubau oder ein Teilabriss werde.

Ute Stache und Jutta Fettköter bedachte er mit lobenden Worten für ihren Einsatz bei den öffentlichen Toiletten. Stache kümmert sich um die Reinigung, Fettköter um das Auf- und Abschließen.

Dionysius-Medaille verliehen

Schließlich nahm er noch die Verleihung der Dionysius-Medaille der Gemeinde Sittensen für zwei verdiente Mitbürger vor. Friedel Hanker hat als Hausmeister viele junge Leute vor allem im Jugendzentrum begleitet und sie dabei in ihrer Entwicklung geprägt. „Das hast du immer gern und unaufgeregt für uns als Gemeinde gemacht", würdigte der Bürgermeister den 90-Jährigen, der auch jetzt noch aktiv im Bühnenbau der Niederdeutschen Bühne des VfL Sittensen mitwirkt.

Heiner Hastedt, 82 Jahre alt, sei ein Künstler, der für die Gemeinde seit Jahrzehnten „wundervolle Urkunden handschriftlich anfertigt, still, leise, unglaublich pünktlich und zuverlässig." Diese Urkunden seien gerahmt in vielen Wohnzimmern in der Börde zu sehen. (hm)

Foto oben: Bürgermeister Diedrich Höyns (Mitte) mit den neuen Trägern der Dionysius-Medaille, Friedel Hancker (rechts) und Heiner Hastedt.

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