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Montag, 28.09.2020

Frühschwimmer verabschieden Schwimmmeister

Schwimmmeister aus Leidenschaft: Wenn auf jemanden diese Bezeichnung zutrifft, ist es Udo Grönboldt. Doch nun ist für die Sittenser „Freibad-Legende" Schluss. Heute führt er zum letzten Mal die Badeaufsicht im Waldbad Königshof durch. Der offizielle Ruhestand beginnt zwar erst im nächsten Jahr, aber unwiederbringlich ist mit dem Ausklang dieser Saison für ihn sein Dienst als Schwimmmeister, der am 1. April 1983 begonnen hat, beendet. 

Die treuen Frühschwimmer ließen es sich nicht nehmen, "unseren Udo" Freitagmorgen gebührend zu verabschieden – bei einem gemeinsamen Frühstück - unter Einhaltung der aktuell gebotenen Auflagen. Für Grönboldt endet nicht nur eine, durch die Corona-Pandemie bedingte, außergewöhnliche Badesaison, es geht auch eine Ära für alle Schwimm- und Badebegeisterten zu Ende. Auch seine Kollegen Björn Herold und Maren Will waren bei der Abschiedsveranstaltung dabei.

„Über 30 Jahre hast du uns die Tore für das Frühschwimmen geöffnet. Wir werden dich vermissen", wandte sich Maike William an Grönboldt. Mit ihrem Ehemann, Dr. Heiko William, gehört sie zur Riege der Frühschwimmer, die von Anfang an dabei sind. „37 Jahre hast du für unsere Sicherheit gesorgt, die Anlagen gepflegt und gehegt und warst mit deinem Einsatz Garant dafür, dass das Waldbad als eines der schönsten in Niedersachsen gilt", ergänzte Dr. William und beschrieb Grönboldt als zugewandt, redegewandt, aufmerksam, aber durchaus auch mal streng.

Seit 1972 zieht auch Manfred Burfeind bereits seine Bahnen frühmorgens im Sittenser Freibad. Er bedachte den scheidenden Schwimmmeister ebenfalls mit wohlgemeinten Worten und wusste noch so manche Anekdote aus den gemeinsamen Frühschwimmerjahren zu erzählen. „Das Freibad war sein Leben. Sogar den Tauftermin seines jüngsten Sohnes hat er mit seinen Arbeitszeiten abgestimmt. Fürsorglich, immer pünktlich und zuverlässig hat er seinen Dienst verrichtet. Über 1500 Kinder haben bei ihm Schwimmen gelernt oder das Freischwimmerabzeichen erworben. Es müssen viel mehr Kinder das Schwimmen lernen", gab Burfeind noch zu verstehen.

Die Frühschwimmertruppe hatte auch noch ein Geschenk parat. Das kam in Form einer Gartenbank daher, auf dem Grönboldt mit Ehefrau Helga sogleich ein Probesitzen absolvierte. Einen Gutschein, um den heimischen Garten noch weiter „aufhübschen" zu können, gab's noch obendrauf. Und: Ehe sich Udo Grönboldt versah, landete er nach einem kräftigen Schubs von Dr. William im Wasser - zur hellen Freude aller Anwesenden. Auch Grönboldt nahm's mit Humor und stieg pitschnass, aber fröhlich lachend aus dem kühlen Nass wieder hervor.

2,6 Millionen Besucher während der Dienstzeit

Udo Grönboldt zeigte sich bewegt. Trotzdem ergriff auch er noch das Wort und ließ seine Zeit im Waldbad Königshof kurz Revue passieren. Seine letzte Badesaison bezeichnete er ob der Corona bedingten Unwägbarkeiten als Herausforderung. „Trotzdem haben wir das gut hingekriegt", freute er sich.

Das Frühschwimmen ist nach seinen Worten in seiner Zeit nur einmal 2017 wegen eines Heizungsschadens ausgefallen. Überhaupt ist der Badebetrieb während seiner Zeit immer glimpflich verlaufen. Zwar gab's nächtliche Badeeskapaden oder ins Wasser geworfene Papierkörbe, aber insgesamt verzeichnet er keine großen Unfälle im Badebetrieb.

In technischer Hinsicht tauchte hingegen schon die eine und andere Schwierigkeit auf. 1997 fiel um Pfingsten herum die Wärmpumpe aus, nach vier Wochen ging eine Notheizung, die in einem Container untergebracht war, in Betrieb, 2008 erfolgte die Umstellung auf Gasbeheizung mit Absorberanlage.

Immer wieder hatte Grönboldt auch darauf hingewiesen, dass eine Badsanierung notwendig sei, stattdessen sei nur das Notwendigste geflickt worden. Noch funktioniert indes der Badebetrieb, Grönboldt hofft, dass das so bleibt. Während seiner Dienstzeit hat er rund 2,6 Millionen Besucher gezählt, seit dem Umbau des Bades waren es etwa von 1971 an rund 3,4 Millionen.

„2010 hatten wir das letzte Mal um die 50.000 Badegäste, 1994 waren es hingegen nur im Monat Juli 52.667 Besucher", weiß Grönboldt, der über die Jahre stets akribisch Buch geführt, Statistiken erhoben und alle Presseberichte in Ordnern archiviert hat. Die Nachmittagsbetreuung in den Schulen hat die Besucherzahlen insgesamt betrachtet zurückgehen lassen, „aber Frühschwimmen ging immer", erinnert er sich.

Als gelernter Tischler hat der 63-Jährige viele Arbeiten im Bad selbst erledigt. Auch nach dieser Saison gibt es bis zum Ende des Jahres noch genug zu tun. Dann nimmt er seinen Urlaub und bummelt Überstunden bis zum offiziellen Ruhestand im April ab. Da hat sich viel angesammelt, zumal er während der Badesaison grundsätzlich keinen Urlaub genommen hat. Seine Familie hat das immer mitgetragen und freut sich nun auf die bevorstehende, freie Zeit mit ihm.

Der letzte Badetag im Freibad ist am 20. September geplant. (hm)

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