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Samstag, 16.01.2021

Sechs Monate Corona im Landkreis

Ein halbes Jahr nach den ersten Fällen zieht der Landkreis Rotenburg eine erste Zwischenbilanz. Am 4. März wurden die ersten beiden Corona-Fälle Landkreis bestätigt. Seitdem ist das Fallgeschehen recht dynamisch.

AHA-Regeln einhalten

Da es zurzeit noch keinen Impfstoff gibt, sind immer noch alle Bewohner des Landkreises angehalten, sich weiter an die „AHA-Regeln" (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) zu halten. „Auch wenn eine gewisse Corona-Müdigkeit zu erkennen ist, sollten wir nicht aufhören, vorsichtig zu sein. Corona ist nicht verschwunden. Die steigenden Zahlen zeigen, dass sich das Virus immer noch ausbreitet", mahnt Landrat Hermann Luttmann.

Im Winter, wenn sich wieder mehr Menschen in geschlossenen Räumen aufhalten, steige das Infektionsrisiko noch einmal und es bestehe die Gefahr, dass sich ältere und auch vorerkrankte Menschen wieder häufiger infizieren und damit mehr schwere Krankheitsverläufe und womöglich auch Tote zu verzeichnen wären. Landrat Luttmann appelliert: „Schützen Sie die Menschen in Ihrem Umfeld, indem Sie Abstand halten und eine Alltagsmaske tragen. Sie können auch andere Menschen infizieren, wenn Sie selber keine Symptome haben." Des Weiteren ruft der Landrat dazu auf, auch von der diesjährigen Grippe-Schutzimpfung Gebrauch zu machen, um das Gesundheitssystem im kommenden Winter zu entlasten.

Verlauf der festgestellten Infektionen

Ein Blick auf die Statistik der bisherigen festgestellten Infektionen mit SARS-CoV-2 offenbart bislang einen relativ milden Verlauf im Landkreis, verglichen mit anderen Regionen in Deutschland. So gab es im Kreisgebiet zwei kleine, wellenartige Anstiege bei den Infektionszahlen Ende März/Anfang April sowie in der zweiten Augusthälfte (rote Linie). Zwischenzeitig war das Infektionsgeschehen im Landkreis fast vollständig zum Erliegen gekommen. Zwei Todesfälle durch das Virus waren am 28. März. und am 22. Mai zu beklagen.

Der Anstieg der Fallzahlen im März/April war zum Großteil auf reiserückkehrende Skifahrer und deren Kontaktpersonen zurückzuführen. Im August kam es zu einem Anstieg durch das Infektionsgeschehen bei einem Personaldienstleister für Logistikbetriebe in Elsdorf und durch Reiserückkehrer in den Sommerferien.

Infektionen der letzten sieben Tage

Bei der Betrachtung der Neuinfektionen der jeweils letzten sieben Tage (rote Linie) fällt auf, dass der Wert stets weit entfernt war vom als kritisch angesehenen Schwellenwert von 50 Personen pro 100.000 Einwohner. Der Höchstwert im Kreisgebiet lag bei 26 Infektionen pro 100.000 Einwohner und wurde Ende August erreicht. Über mehrere Wochen im Sommer lag dieser Wert im Landkreis bei 0.

In beiden Infektionswellen gelang es, die Weiterverbreitung des Virus durch konsequente Nachverfolgung und Quarantäne der betroffenen Personen zeitnah einzudämmen. „Dies belegt, dass die betroffenen Menschen im Landkreis sich überwiegend sehr diszipliniert an die Quarantäne-Bestimmungen halten und dass unser System der Nachverfolgung der Infektionsketten gut klappt", so der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamtes, Jens Hedicke. „Die Anzahl von Quarantäne-Brechern ist im Landkreis deutlich niedriger als gemeinhin angenommen und spielt für das Infektionsgeschehen auf Kreisebene bislang nur eine untergeordnete Rolle." 

Altersverteilung

Ein Blick auf die Altersverteilung der Infizierten im Landkreis zeigt Unterschiede zwischen den beiden Infektionswellen auf. Während in der ersten Welle im März/April mehr als die Hälfte der infizierten Personen 50 Jahre oder älter war, gehören in der zweiten Infektionswelle im Spätsommer weniger als ein Sechstel der Infizierten zu den über 50-Jährigen. Das Durchschnittsalter der Infizierten ist von 48,6 Jahren im Frühjahr auf 34,3 Jahre im Sommer stark gefallen. Diese Entwicklung spiegelt in etwa auch den Bundestrend wieder.

Vor diesem Hintergrund ist interessant, dass im ersten Zeitraum insgesamt 17 Hospitalisierungen und zwei Todesfälle zu verzeichnen waren, seit dem 5. Juni jedoch keine weitere Krankenhauseinweisung für im Landkreis gemeldete infizierte Personen erfolgte. Jens Hedicke: „Das niedrigere Durchschnittsalter der in der zweiten Infektionswelle diagnostizierten Personen dürfte auch für die niedrigere Hospitalisationsquote im Vergleich zum Frühjahr verantwortlich sein." Ältere Menschen sind mit einer höheren Wahrscheinlichkeit von schweren Verläufen der Krankheit COVID-19 betroffen als jüngere.

Krisenstab und Bürgertelefon

Zu Beginn der Pandemie stand der Landkreis vor großen Herausforderungen. Ein Krisenstab im Kreishaus wurde einberufen, dazu wurde ein Bürgertelefon eingerichtet. Knapp 1000 Anrufe gingen dort vom 20. März bis zum 8. Juni ein.

Große Herausforderungen waren die Materialknappheit in den Krankenhäusern, Arztpraxen sowie Alten- und Pflegeheimen und die Sorge, dass die Kapazitäten der Krankenhäuser nicht ausreichen würden. Zum Glück hat sich letzterer Punkt nicht bewahrheitet, schon nach wenigen Wochen gab es auch wieder genug Schutzmaterial für alle Einrichtungen.

Testzentrum Zeven

In Zeven wurde von der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen mit Unterstützung des Landkreises ein Testzentrum eingerichtet, das am 12. März geöffnet und aufgrund geringerer Fallzahlen am 17. Juli vorübergehend wieder geschlossen wurde. Angesichts vieler Reiserückkehrer wurde bereits am 5. August das Testzentrum wieder geöffnet, diesmal nicht nur für Personen aus dem Landkreis, sondern aus der gesamtem Region. Mittlerweile können von Reiserückkehrern dort online Termine vereinbart werden unter: https://www.kvn.de/coronatest.html

Schulen

Nach der Schließung der Schulen Mitte März wurden diese nach den Osterferien nach und nach wieder geöffnet. Dazu wurden von den Schulen unter anderem die Klassen geteilt und abwechselnd Präsenzunterricht in den Schulgebäuden und digitales Lernen zu Hause organisiert. Der Landkreis hat dazu die IT-Kapazitäten verstärkt. Außerdem konnten die kreisangehörigen Schulen auf vorhandene, mobile Endgeräte zurückgreifen, um diese bei Bedarf unbürokratisch an die Schüler auszuleihen, die über keine eigenen Geräte verfügten. Zur Unterstützung der Schulen bei der Umsetzung ihrer Hygienekonzepte wurden seitens des Landkreises Händedesinfektionsmittel und Mund-Nasen-Bedeckungen aus den Beständen des Katastrophenstabes zur Verfügung gestellt.

Trotz zunächst halber Fahrgastzahlen in der Schülerbeförderung wurde noch vor den Sommerferien der normale Regelfahrplan wiederaufgenommen, um möglichst große Abstände in den Bussen zu ermöglichen. Mit der Rückkehr zu einem weitgehenden Regelbetrieb sind jedoch nach den Sommerferien auch die Fahrgastzahlen in den Bussen wieder stark angestiegen, so dass ein 1,5-Meter-Abstand in vielen Fällen nicht eingehalten werden kann. Die Corona-Verordnung des Landes sieht deshalb im gesamten ÖPNV sowie Taxen die Einhaltung eines Mindestabstands nur nach Möglichkeit vor, stattdessen ist hier ein Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

Aktuelle Herausforderungen sind die Öffnung der Kitas und Schulen. Die Corona-Fälle in Schulen in Bremervörde und in Rotenburg (Wümme) zeigen aber, dass die dort praktizierten Hygienekonzepte sehr gut greifen. In enger Zusammenarbeit mit den Schulen konnte das Gesundheitsamt alle Kontaktpersonen ermitteln und testen. Außer den ursprünglichen Fällen wurden keine weiteren Personen positiv getestet.

 

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