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Montag, 10.05.2021

Friedhof: Nisthilfe für Wildbienen aufgestellt

Im Frühling nehmen Bienen erneut ihre wichtige Arbeit auf. Die fleißigen Insekten sind weltweit gesehen für eine milliardenfache Wertschöpfung zuständig. Doch viele Wildbienenarten in Deutschland sind bedroht. Um Wildbienen im Siedlungsraum zu fördern, lassen sich an geeigneten Stellen künstliche Nisthilfen aufstellen, in denen ihr Nachwuchs geschützt heranwachsen kann.

Auch Friedhöfe zählen dazu. „Sie sind oft die größten Grünflächen in Gemeinden und sollen in einem gepflegten Zustand sein. Das schließt den Insektenschutz jedoch nicht aus", weiß Manfred Radtke, Vorsitzender der Kreisgruppe Rotenburg des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), zu berichten. 

Im Landkreis Rotenburg werden 45 Muster-Nisthilfen für Wildbienen aufgestellt. Die Initiative basiert auf dem niedersachsenweiten Projekt „Ökologische Nische Friedhof". Laut Radtke ist in Zeven und Rotenburg das Projekt schon erfolgreich umgesetzt worden. Dort summt und brummt es bereits.

Das soll es künftig auch in Sittensen, denn Radtke hat dort auf dem Friedhof jetzt eine Nisthilfe und eine Info-Tafel errichtet, in Klein Meckelsen ist die Aktion ebenfalls geplant. Samtgemeindebürgermeister Jörn Keller ist begeistert: „Das ist eine super Idee. Damit können wir auf das Problem der bedrohten Wildbienen aufmerksam machen und die Öffentlichkeit dafür sensibilisieren. Als Kommune nehmen wir auch eine Vorbildfunktion ein. Das Thema werden wir auf jeden Fall weiterverfolgen, zumal mit wenig Mitteln viel bewirkt werden kann. Und es gibt durchaus noch Potenzial für weitere Nisthilfen-Standorte, etwa bei Sportanlagen oder Kindertagesstätten."

Besonders Friedhöfe mit alten Baumbeständen und Hecken gehören Radtke zufolge zu den artenreichsten, städtischen Bebauungstypen. Die Anlagen sind nicht nur ein Ort der Trauer, sondern auch der Begegnung und damit geeignet, Menschen auf das Projekt hinzuweisen. Vor allem den Wildbienen bieten bepflanzte Gräber und Grünflächen gute Ausgangsbedingungen und geeigneten Lebensraum.

Für Friedhofswärter Jens Wichern hat Radtke gleich Tipps parat: „Eine Grabbepflanzung mit einheimischen Wildstauden kann ansprechend gestaltet werden und stellt eine wildbienenfreundliche Alternative dar. Die Verwendung mehrjähriger Stauden verhindert eine Wechselbepflanzung der Gräber. Durch die passende Pflanzenauswahl kann Insekten ein Nahrungsangebot während der gesamten Vegetationsperiode von März bis Oktober geboten werden."

Das soll auch im Bereich der Nisthilfe geschehen, denn wie Wichern mitteilt, soll dort in Zusammenarbeit mit Friedhofsgärtnerin Regina Hauschild-Wilkens eine Blühfläche angelegt werden.

Nisten in Röhren

Das Prinzip der Nisthilfen für Wildbienen weiß Radtke ausführlich zu erklären: „Sie nisten in Röhren. Diese sind in unterschiedlicher Ausgestaltung und Größe in dem Kasten zu finden." Als Materialien, die für Wildbienen geeignet sind, nennt er Schilfhalme, die in Dosen und Steinen zusammengesteckt sind, Pappröhrchen, gebrannte Niststeine aus Ton, Strangfalzziegel oder unbehandelte Hartholzstücke, jedoch keine Eiche wegen des zu hohen Gerbsäuregehaltes. Wichtig sind ein regengeschützter, trockener und warmer Standort sowie eine stabile Befestigung. In Bäume gehängte oder beschattete Nisthilfen werden von den Bienen nicht angenommen.

Insektenhotels ungeeignet

Und: Radtke macht deutlich, dass viele der sogenannten „Insektenhotels" insbesondere für Wildbienen ungeeignet sind. Materialien wie Stroh, Heu, Kiefern- und Fichtenzapfen, Holzschnitzel, Loch- und Gasbetonsteine sowie Aststücke haben nichts in einer Nisthilfe zu suchen.

Projektförderung

Gefördert wird das Projekt von der BINGO-Umweltstiftung." Unterstützung geben der Landkreis Rotenburg/Wümme, der die Aktion auch finanziell fördert sowie die Bezirksstelle Bremervörde der Landwirtschaftskammer, die drei Jägerschaften im Landkreis und die Landvolkverbände Rotenburg-Verden und Bremervörde-Zeven. Die Rahmen für die Nisthilfen werden von der Deutschen Angestellten-Akademie gebaut. (hm)

Foto: Samtgemeindebürgermeister Jörn Keller (Mitte) und Friedhofswärter Jens Wichern (rechts) lassen sich von Manfred Radtke den Aufbau der Nisthilfe erklären.

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