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Donnerstag, 11.08.2022

Landschaftsschutzgebiet soll durch Denkmalrecht gesichert werden

Auf dem Klostergut Burgsittensen sind in den kommenden Jahren Veränderungen geplant. Um diese genehmigungsrechtlich umsetzen zu können, hat die Abteilung Liegenschaften der Klosterkammer Hannover, Eigentümerin der verpachteten Anlage, bei der Samtgemeinde Sittensen einen Antrag auf die Aufhebung des Landschaftsschutzgebietes „Erbbegräbnisstätte beim Gut Burgsittensen aus dem Jahr 1938" gestellt.

Bereits im Jahr 2019 hat die Klosterkammer bei der Gemeinde Tiste die Aufstellung eines Bebauungsplans beantragt, der Rat hat denn auch den entsprechenden Beschluss gefasst.

Landschaftsschutzgebiete sind bei der Bauleitplanung zu berücksichtigen und müssen in Bebauungsplänen dargestellt und beachtet werden. Ist eine Bebauung beabsichtigt, kann das Landschaftsschutzgebiet aufgehoben werden. Dafür gelten prinzipiell dieselben Regeln wie für die Ausweisung.

Samtgemeindebürgermeister Jörn Keller führte aus, dass nach dem Beschluss des Samtgemeinderates ein Antrag an den Landkreis Rotenburg/Wümme auf Aufhebung des Landschaftsschutzgebietes geht und vom Kreistag beschlossen werden muss. „Die Klosterkammer ist ohnehin im Dialog mit dem Landkreis", merkte er an.

Und betonte, dass dort „Gutes" geplant sei. „Mit einem Landschaftsschutzgebiet kann es dort keine Entwicklung geben. Um sich gesund weiterentwickeln zu können, ist die Aufhebung erforderlich. Es soll ja kein Massentourismus dort entstehen."

Trotzdem verwehrten die Vertreter der Grünen dem Antrag ihre Zustimmung, denn sie möchten den Status nicht verändert wissen. „Was einmal in dieser Form geschützt wurde, sollte es auch bleiben", ließ Daniel Mansholt wissen. Die Mehrheit des Samtgemeinderates folgte der Empfehlung von Verwaltung und Bauausschuss, dem Antrag auf stattzugeben, da der Zweck des Landschaftsschutzgebietes im Zuge des Bebauungsplans durch das Denkmalrecht gesichert werden soll.

Friederike Bock, Juristin und zuständige Dezernentin der Klosterkammer und Christina Lippert, Dezernentin vom Amt für Bau- und Kunstpflege, hatten dem Bauausschuss ausführlich die Begründung für den Antrag dargelegt. Bock betonte nachdrücklich, dass die Klosterkammer grundsätzlich dafür werbe, Landschaften zu schützen. "Wir wollen nichts kaputt machen, es geht darum, die Zwecke zum Erhalt von Kulturlandschaft und Baudenkmal besser abbilden zu können – im Einklang mit Natur und Denkmalschutz."

Sie wies darauf hin, dass die Errichtung des Landschaftsschutzgebietes zu einer Zeit erfolgt sei, als es noch keinen gesetzlich normierten Denkmalschutz für Gartendenkmale in Deutschland gegeben habe. So geht der Verordnungstext nach ihren Worten noch auf das Jahr 1937 zurück und läuft den rechtlichen Anforderungen von heute zuwider. Der Schutzstatus aus dem Landschaftsschutzgebiet soll zum Kulturdenkmal korrigiert werden.

Ziel der bisherigen Verordnung war der Schutz des Kulturgutes mit der historischen Parkanlage, dem Gut und Forst Burgsittensen. Das Schloss, die historische Parkanlage sowie die im Original erhaltene Kopfsteinpflasterallee sind mittlerweile als Denkmale nach dem Niedersächsischen Denkmalschutzgesetz nachinventarisiert. Das basiert auf einem in Abstimmung mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege entwickelten Parkpflegewerk, das den rechtlich bindenden Rahmen für die weitere Pflege des Denkmals bildet. Dieser Rechtsrahmen ermöglicht heute eine verbesserte Detaillierung der ursprünglichen Ziele der Schutzgebietsausweisung.

Bock stellte heraus, dass die Landschaftsschutzgebietsausweisung inzwischen zu einer inhaltsleeren Hülle geworden sei, die Ziele und der Schutzgedanke aber durch andere Instrumente weiterhin gesichert seien: „Durch die Aufhebung werden künftige Entwicklungsmöglichkeiten ermöglicht, wobei der Fokus immer auf den Einklang mit einer Kulturlandschaft gelegt wird."

Das gesamte Klostergut-Ensemble sei als Gruppe baulicher Anlagen als „Gutsanlage Burgsittensen" unter Denkmalschutz gestellt. Einige Gebäudeteile erfüllen demnach für sich genommen die Denkmaleigenschaft nicht, andere Teile sind ausdrücklich unter weiteren Schutz als Einzeldenkmal gestellt. Das Herrenhaus mit der alleeartigen Zufahrt ist somit Einzeldenkmal, das Erbbegräbnis ebenfalls.

Die beiden Vortragenden betonten ein ums andere Mal, dass es Ziel sei, "denkmalpflegerische Anforderungen und wirtschaftliche Erfordernisse in den Kontext eines landwirtschaftlichen Betriebes und in den Einklang mit Natur und Denkmalschutz zu bringen." (hm)

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