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Donnerstag, 08.12.2022

Kommt ein Solarpark in Alpershausen?

Die aktuelle Energiekrise, aber auch der fortschreitende Klimawandel machen das Energiesparen zur drängenden Aufgabe. Strom- und Gaspreise erreichen Rekordpreise. So kommt dem Ausbau erneuerbarer Energien immer mehr Bedeutung zu. Ein Baustein sind die glänzenden, in Reihen angeordnete Rechtecke, die Sonnenlicht einfangen, um daraus Strom zu produzieren - sogenannte Solarparks.

In Alpershausen in der Gemeinde Hamersen sollen auf einer 23 Hektar großen Fläche Solarmodule aufgestellt werden, die gut 20 Megawatt Peak-Leistung erbringen würden. Das Areal bietet sich für das Vorhaben an, denn es handelt sich um sogenannte benachteiligte Flächen, die sich wegen ihrer Bodenbeschaffenheit nur bedingt landwirtschaftlich nutzen lassen. Sie sind denn auch im Regionalen Raumordnungsprogramm des Landkreises Rotenburg/Wümme als sogenannte „weiße Flecken" dargestellt.

Ertragsarme Flächen

Eigentümer Jan-Christoph Wilkens bestätigt: „Seit gut vier Jahren werden die Ertragseinnahmen auf diesem Flächenbereich bis zu 50 Prozent weniger. Außer Tierfutter kann ich dort nichts mehr anbauen. Ich müsste, auch wegen der Klimaveränderung, eine Flächenberegnungsanlage anschaffen."

Wilkens hat Kontakt zur EEG GmbH Sottrum aufgenommen, die die Planung, Errichtung und den Betrieb von Energieerzeugungsanlagen durchführt. Geschäftsführer und Gesellschafter Carsten Lange stellte im Rahmen der jüngsten Ratssitzung der Gemeinde Hamersen den ersten Planentwurf vor. Auch etliche Interessierte aus der Dorfbevölkerung waren gekommen.

Bürgermeister Gerd Kaiser freut sich über den Zuspruch: „Wir wollen die Bevölkerung von Anfang an mitnehmen. Noch befinden wir uns in der sehr frühen Planungsphase und möchten ein erstes Meinungsbild einholen." Die Ratsmitglieder wurden bereits im Vorfeld über das Vorhaben informiert und begrüßen es seinen Worten zufolge ausdrücklich.

"Normalerweise gibt es bei solchen Planungen schnell Widerstand aus der Bevölkerung. Bei diesem Plangebiet gibt es jedoch keine direkte Wohnbebauung, außerdem sind die Module zum angrenzenden Wald hin ausgerichtet. Aus den Reihen der Anwesenden bei der Sitzung waren denn auch keine kritischen Nachfragen zu vernehmen", weiß Kaiser erfreut zu berichten.

Carsten Lange stellt den Aspekt der Regionalität heraus. Denn: Projektpartner ist die Stadtwerke Rotenburg/Wümme GmbH. „Damit agieren zwei regionale Partner, die lokal die Energiewende vorantreiben möchten", betonten sowohl Lange als auch Volker Meyer, Geschäftsführer der Stadtwerke. Wilkens als Flächeneigentümer ist direkt beteiligt.

Bürgerbeteiligung

Im weiteren Verfahren ist ebenso die Einbindung der Anwohner der Gemeinde Hamersen über einen PV-Park-Stromtarif vorgesehen, auch finanzielle Beteiligungsmöglichkeiten sollen möglich sein. Die Gemeinde würde zudem durch langfristig gesicherte Gewerbesteuereinnahmen und die Beteiligung an den Erträgen von bis zu 0,2 Cent pro Kilowattstunde, die der Anlagenbetreiber laut des Erneuerbare-Energien-Gesetzes an die Standortkommunen zu leisten hat, partizipieren.

Naturschutzprojekte im Solarpark

Noch ein weiterer Punkt wurde in den Ausführungen deutlich hervorgehoben. Da die Solarmodule so verankert sind, dass die Fläche darunter nicht völlig verloren geht, bieten sich dort Naturschutzprojekte an. Das Gestaltungskonzept des Alpershausener Solarparks sieht denn auch unter anderem ein Feuchtbiotop, eine Wasserfläche, eine Käferbank, einen Huderplatz, will heißen Staubbadestelle für Hühnervögel, ein Trafohaus mit Nist- und Fledermauskästen, Brachen und eine Heckenbepflanzung zur Einfriedung der Fläche vor.

„Wasser darf in einem Solarpark nicht fehlen, denn die Module ziehen wegen ihrer glänzenden Oberfläche Wasserinsekten an. Ein Feuchtbiotop bietet aber auch anderen Tieren Nahrungsquellen und sollte vor allem in einem eingezäunten Bereich nicht fehlen", so Lange.

Er wies auch darauf hin, dass laut Verordnung des Landesraumordnungsprogrammes Vorbehaltsgebiete für die Landwirtschaft für Agrarphotovoltaik vorgesehen werden können, die eine landwirtschaftliche Bewirtschaftung mit Traktoren, Dünge-, Saat- und Erntemaschinen zulassen und durch die höchstens ein Flächenverlust von 15 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche entsteht: „Die richtige Auswahl kann eine Lösung sein, Landwirtschaft und Energieproduktion zu vereinen", betonte er.

Die Beteiligungs-GmbH der Stadtwerke Rotenburg (Wümme) sowie die EEG Projekte GmbH planen die Gründung einer PV-Park Alpershausen GmbH & Co. KG, die für die Errichtung und den Betrieb des Solarparks verantwortlich wäre. Die Netzanbindung wäre an einem angrenzenden Hochspannungsmast möglich. Dazu würde ein eigenes Umspannwerk gebaut werden. Lange machte auch auf Synergieeffekte durch die Nähe zum bestehenden Windpark aufmerksam.

Im weiteren Planungsschritt müsste die Gemeinde bei der Samtgemeinde den Antrag auf Änderung des Flächennutzungsplanes stellen und einen Bebauungsplan aufstellen. Im kommenden Jahr würden eine avifaunistische Untersuchung sowie die Einholung verschiedener Gutachten folgen. (hm)

Foto: Carsten Lange von der EEG GmbH Sottrum, Bürgermeister Gerd Kaiser und Flächeneigentümer Jan-Christoph Wilkens (von rechts) beim Ortstermin auf dem für den Solarpark vorgesehenen Areal.

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